Was ist die IRS? Bedeutung, Aufgaben und Steuerpflicht für deutsche Amerikaner

Daan Durlacher

6 min
Veröffentlicht am: 06-01-2025 Zuletzt geändert am: 19-06-2026

Die IRS (Internal Revenue Service) ist die Bundessteuerbehörde der USA. Sie zieht Bundessteuern ein, bearbeitet Steuererklärungen, zahlt Steuererstattungen aus und setzt die US-Steuergesetze durch. Auch US-Bürger, Green-Card-Inhaber und bestimmte andere US Persons, die in Deutschland leben, können mit der IRS zu tun bekommen.

Für viele deutsche Amerikaner kommt diese Nachricht überraschend. Wer in den USA geboren wurde, einen amerikanischen Elternteil hat oder eine Green Card besitzt oder besessen hat, kann in den Vereinigten Staaten steuerpflichtig sein – auch dann, wenn er oder sie seit Jahren in Deutschland lebt und dort bereits Steuern zahlt.

Was ist die IRS?

IRS steht für Internal Revenue Service. Die IRS ist die amerikanische Steuerbehörde und gehört zum U.S. Department of the Treasury. Man kann sie vereinfacht als das Finanzamt der USA bezeichnen, wobei das amerikanische Steuersystem anders funktioniert als das deutsche.

Die IRS ist unter anderem zuständig für:

  • die Bearbeitung von US-Steuererklärungen;
  • die Einziehung von Bundessteuern;
  • die Auszahlung von Steuererstattungen;
  • die Prüfung von Steuererklärungen;
  • die Durchsetzung amerikanischer Steuergesetze;
  • die Verwaltung bestimmter Meldepflichten und Steuerformulare.

Für Amerikaner im Ausland ist die IRS besonders relevant, weil die USA ihre Staatsbürger grundsätzlich auch dann steuerlich erfassen, wenn sie außerhalb der Vereinigten Staaten leben.

Wofür steht IRS? Internal Revenue Service einfach erklärt

Die Abkürzung IRS bedeutet Internal Revenue Service. Auf Deutsch wird die IRS häufig als amerikanische Steuerbehörde, US-Steuerbehörde oder Finanzamt der USA bezeichnet.

Die IRS ist nicht für deutsche Steuern zuständig. Wenn Sie in Deutschland leben, bleiben das deutsche Finanzamt und die deutschen Steuerregeln weiterhin relevant. Zusätzlich kann jedoch eine US-Steuererklärungspflicht bestehen, wenn Sie als U.S. Person gelten.

Genau hier entsteht für viele deutsche Amerikaner die Komplexität: Sie müssen möglicherweise sowohl das deutsche Steuerrecht als auch bestimmte US-Steuer- und Meldepflichten beachten.

Was macht die IRS?

Die IRS verarbeitet Steuererklärungen, kontrolliert Angaben, verschickt Bescheide, erhebt Steuern und zahlt Steuererstattungen aus. Außerdem setzt die IRS bestimmte Meldepflichten durch, die für Amerikaner im Ausland besonders wichtig sein können.

Dazu gehören unter anderem:

  • die jährliche US-Steuererklärung;
  • Form 1040 für US-Bürger und bestimmte steuerlich ansässige Personen;
  • Meldungen zu ausländischem Einkommen;
  • Meldungen zu ausländischen Bankkonten und Finanzvermögen;
  • FATCA-bezogene Informationen;
  • mögliche Nachreichungs- oder Amnestieverfahren wie die Streamlined Filing Compliance Procedures.

Die IRS arbeitet dabei nicht isoliert. Durch FATCA melden viele ausländische Finanzinstitute Daten über US Persons an die zuständigen Behörden, die diese Informationen an die USA weitergeben können.

IRS und deutsche Amerikaner: Ihre Steuerpflicht

Wenn Sie in den USA geboren wurden, einen amerikanischen Elternteil haben oder eine Green Card besitzen oder früher besessen haben, besteht eine reale Möglichkeit, dass Sie in den Vereinigten Staaten steuerlich erklärungspflichtig sind.

Die USA sind eines der wenigen Länder, das seine Staatsbürger grundsätzlich nach Staatsbürgerschaft besteuert und nicht nur nach Wohnsitz. Das bedeutet: Auch wenn Sie dauerhaft in Deutschland wohnen, ausschließlich in Deutschland arbeiten und dort Steuern zahlen, kann eine jährliche US-Steuererklärung bei der IRS erforderlich sein.

Das heißt nicht automatisch, dass Sie in den USA zusätzlich Steuern zahlen müssen. In vielen Fällen können bereits in Deutschland gezahlte Steuern über Mechanismen wie den Foreign Tax Credit berücksichtigt werden. Die Pflicht zur Abgabe einer US-Steuererklärung kann jedoch trotzdem bestehen.

Wie funktioniert die Steuererklärung bei der IRS?

Eine US-Steuererklärung wird in der Regel mit Form 1040 eingereicht. Je nach Situation können zusätzliche Formulare erforderlich sein, zum Beispiel bei ausländischen Bankkonten, Investmentkonten, Immobilien, Rentenansprüchen, Beteiligungen oder selbstständiger Tätigkeit.

Für deutsche Amerikaner ist wichtig: Die US-Steuererklärung ist nicht einfach eine Kopie der deutschen Steuererklärung. Die USA verwenden eigene Definitionen, Fristen, Formulare und Entlastungsmechanismen.

Wenn Sie noch nie eine US-Steuererklärung eingereicht haben, sollten Sie nicht einfach einzelne alte Steuererklärungen nachreichen. Je nach Situation kann ein anerkanntes Nachreichungs- oder Amnestieverfahren sinnvoller sein.

Noch nie bei der IRS eingereicht? Streamlined Procedure

Wenn Sie als im Ausland lebende U.S. Person bisher keine US-Steuererklärungen eingereicht haben, kann unter bestimmten Voraussetzungen das Streamlined Filing Compliance Procedure relevant sein.

Dieses Verfahren richtet sich an Steuerpflichtige, deren Versäumnis nicht vorsätzlich war. In der Praxis bedeutet dies häufig: Sie wussten nicht, dass Sie als US-Bürger oder U.S. Person im Ausland weiterhin US-Steuererklärungen einreichen mussten.

Für die Streamlined Foreign Offshore Procedures sind in der Regel erforderlich:

  • US-Steuererklärungen für die letzten drei Jahre;
  • FBAR-Meldungen für die letzten sechs Jahre;
  • eine Erklärung, dass das Versäumnis nicht vorsätzlich war;
  • Zahlung eventuell geschuldeter Steuer und Zinsen.

Die genaue Anwendung hängt von Ihrer persönlichen Situation ab. Lassen Sie daher prüfen, ob das Streamlined-Verfahren für Sie geeignet ist, bevor Sie alte Formulare auf eigene Faust einreichen.

Deutsche Bank droht, mein Konto zu sperren oder zu schließen

Viele deutsche Amerikaner erfahren erst durch ein Schreiben ihrer Bank, dass sie möglicherweise als US Person gelten. Banken fragen dann häufig nach einer Social Security Number (SSN), nach dem US-Steuerstatus oder nach zusätzlichen Formularen.

Eine SSN (Social Security Number) ist eine amerikanische Identifikationsnummer. Sie ist nicht dasselbe wie die deutsche Steuerliche Identifikationsnummer, kann aber im US-Steuersystem eine ähnliche Identifikationsfunktion erfüllen.

Wenn eine Bank Sie als US Person einstuft und die erforderlichen Informationen fehlen, kann dies praktische Folgen haben. Die Bank kann zusätzliche Unterlagen verlangen, bestimmte Produkte verweigern oder in manchen Fällen ein Konto einschränken oder schließen.

Weiß die IRS von meinen finanziellen Vermögenswerten?

Möglicherweise ja. Durch FATCA sind viele ausländische Finanzinstitute verpflichtet, Informationen über Konten von US Persons zu erfassen und zu melden. In Deutschland geschieht dies über das FATCA-Abkommen zwischen Deutschland und den USA.

Das bedeutet nicht automatisch, dass die IRS sofort aktiv wird. Es bedeutet aber, dass viele Finanzdaten nicht mehr vollständig außerhalb des amerikanischen Systems bleiben. Für deutsche Amerikaner ist es deshalb wichtig, den eigenen Status zu klären, bevor es zu Problemen mit Banken oder Behörden kommt.

Wie hoch ist das Risiko, dass die IRS mich verfolgt?

Eine pauschale Antwort gibt es nicht. Das Risiko hängt von Ihrer persönlichen Situation ab: Einkommen, Vermögen, Bankkonten, bisherige Meldungen, US-Status, frühere Steuererklärungen und mögliche FATCA-Meldungen.

Wichtig ist jedoch: Wenn eine US-Steuerpflicht besteht, verschwindet sie nicht dadurch, dass Sie im Ausland leben oder bisher nichts von dieser Pflicht wussten. Gerade deshalb gibt es Verfahren wie das Streamlined Procedure, mit denen viele Betroffene ihre Situation geordnet nachholen können.

Unser Ziel ist es, unnötige Panik zu vermeiden und gleichzeitig klar zu erklären, welche Pflichten real bestehen können.

Muss ich doppelt Steuern zahlen?

In vielen Fällen nicht. Wer in Deutschland lebt und dort Steuern zahlt, kann diese Steuern häufig in der US-Steuererklärung berücksichtigen. Dadurch entsteht in vielen Fällen keine zusätzliche US-Steuerzahlung.

Trotzdem bleibt die US-Steuererklärungspflicht oft bestehen. Das ist für viele Betroffene der wichtigste Unterschied: Keine zusätzliche Steuer bedeutet nicht automatisch keine Erklärungspflicht.

Außerdem können bestimmte Themen komplizierter sein, zum Beispiel:

  • Investmentfonds;
  • deutsche Renten- und Pensionsansprüche;
  • Unternehmensbeteiligungen;
  • Immobilien;
  • selbstständige Tätigkeit;
  • Schenkungen oder Erbschaften;
  • Bank- und Depotkonten.

Kann ich die amerikanische Staatsbürgerschaft aufgeben und nie Steuern bei der IRS einreichen?

Nein, so einfach ist es nicht. Sie können Ihre amerikanische Staatsbürgerschaft grundsätzlich aufgeben, aber die Aufgabe beendet nicht automatisch alle früheren steuerlichen Verpflichtungen.

Wer die US-Staatsbürgerschaft aufgibt, muss in der Regel nachweisen, dass die US-Steuerpflichten für die relevanten Jahre erfüllt wurden. Dabei spielt unter anderem Form 8854 eine wichtige Rolle. Ohne korrekte steuerliche Abwicklung kann die Aufgabe der Staatsbürgerschaft steuerlich problematisch bleiben.

Die Entscheidung ist außerdem unwiderruflich und sollte nicht nur aus Frust über Bankbriefe oder IRS-Unsicherheit getroffen werden. Vorher sollten Sie Ihre steuerliche Situation, mögliche Risiken und Alternativen sorgfältig prüfen.

Wie kontaktiere ich die IRS aus dem Ausland?

Die offizielle Website der IRS ist irs.gov. Für internationale Steuerfragen bietet die IRS spezielle Informationen für U.S. citizens and resident aliens abroad sowie Kontaktmöglichkeiten für Steuerpflichtige außerhalb der Vereinigten Staaten.

Wenn Sie aus Deutschland Kontakt mit der IRS aufnehmen, sollten Sie vorher genau wissen, worum es geht: eine Steuererklärung, eine Steuernummer, ein IRS-Schreiben, eine Rückerstattung, ein Zahlungsproblem oder eine internationale Steuerfrage.

In vielen Fällen ist es sinnvoll, sich zuerst fachlich beraten zu lassen. Ein falsch verstandenes IRS-Schreiben oder eine unvollständige Nachreichung kann später mehr Aufwand verursachen.

Weitere Fragen zur IRS und amerikanischen Steuerpflicht?

Wir sind selbst Amerikaner, die im Ausland leben, und haben durch Erfahrung gelernt, wie komplex die Steuerpflichten der Vereinigten Staaten sein können. Deshalb sind wir hier, um Ihnen zu helfen.

Wir haben Americans Overseas gegründet, um Menschen auf der ganzen Welt mit klaren Informationen zu unterstützen, unnötige Panik zu vermeiden und kostenlose, unverbindliche Hilfe anzubieten. Bei Bedarf verfügen wir über ein Netzwerk erschwinglicher Fachleute (Steuerberater), die Ihnen bei Ihren steuerlichen Verpflichtungen helfen können.

Wenn Sie weitere Fragen zur IRS und amerikanischen Steuerpflicht haben, kontaktieren Sie uns bei Americans Overseas.

Nehmen Sie jetzt für weitere Informationen Kontakt auf

 

Quellen – IRS (Internal Revenue Service):

Geschrieben von Daan Durlacher

Mitbegründer

Daan Durlacher, Mitbegründer von Americans Overseas, entdeckte erst spät seinen Status als US-Person und die damit verbundene Steuerpflicht. Er gründete das Unternehmen zusammen mit Michael Littaur im Jahr 2012, um andere in US-Steuerfragen zu informieren und zu unterstützen.

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FAQ

Verstehen des US-Steuersystems, der Verpflichtungen und aller zusätzlichen Bedingungen kann schwierig sein. Vor allem, wenn man außerhalb Amerikas lebt. Ist Ihre Frage nicht beantwortet? Kontaktieren Sie uns.

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