WDR Fernsehen: Zufalls-Amerikaner bekommen Ärger

By 22 December 2019Nachrichten, WDR

WDR Fernsehen: Urplötzlich verlangte ihre Bank  die Sozialversicherungsnummer von Frau Stauch und drohte, ihr Konto zu schließen. Sie entdeckte dann auch, dass jeder amerikanische Staatsbürger weltweit besteuert wird.

In Deutschland erhalten einige Menschen Post von ihren Banken – sie sind sogenannte “Zufalls-Amerikaner”, weil sie “zufällig” in den USA geboren wurden. Nach US-Recht ist somit jeder Staatsbürger automatisch steuerpflichtig – egal wo er lebt.

Eine Geschichte aus der WDR Rubrik “Kaum zu glauben”, Sie handelt vom Arzt Catherina Stauch aus Düsseldorf, die urplötzlich aufgefordert wurde, ihre Steuern künftig in den USA zu zahlen.

Zwar wurde sie da tatsächlich geboren, aber gelebt hat sie dort nur einen Monat nach ihrer Geburt. Ihre Eltern waren beruflich in den Vereinigten Staaten gewesen. Seitdem lebt Frau Stauch in Deutschland und ist entsprechend fassungslos über die Steuerforderung. Und sie ist nicht die Einzige mit diesem Problem. Sie und Leidensgenossen nennen sich “Zufalls-Amerikaner”.

US Steuern zahlen

Eigentlich möchte sich Catherina nur um die Fragen ihre Patienten kümmern, doch seit einigen Monaten kreisen die Gedanken die Nuklearmedizinerin nicht um Herz, Niere oder Schilddrüse, sondern um das US Steuerrecht besonders um ein Gesetz names “Foreign Account Tax Compliance Act” Fatca.

Beruflich hat sie nichts mit den USA zu tun, auch kein Geld angelegt und trotzdem soll sie dort Steuern zahlen.

Catherina Stauch: ”Zuerst ist man sprachlos. Man glaubt es nicht, weil man arbeitet, zahlt Steuern in Deutschland wo man die Infrastruktur nutzt und hat eigentlich mit Amerika nichts zu tun. Ich nutze da keinerlei Infrastrukturen und kann mir nicht vorstellen oder könnte mir nicht vorstellen dass ich da steuerpflichtig sein soll.”

Catherina Stauch wurde im Knoxville, Tennessee geboren. Schon mit fünf Wochen kehrte sie mit ihren Eltern zurück und lebt seitdem in Deutschland. In den USA ist sie selten als Toerist, trotzdem gilt sie als US-Bürgerin und muss deshalb ihre Konten beim US Finanzamt offenlegen.

“Also ich empfinde das als existenziell bedrohend, Hilflosigkeit und Wut dass ich ganz schwer mich tue, mir selber zu helfen. Wie soll ich als einzelner Bürger, der die Woche fünfzig bis sechzig oder mehr Stunden arbeite, ein paar hundert Patienten im Quartal versorgt, schon genug Mühe hat dem Deutschen Steuergesetz zu genügen, dann noch das Amerikanische System verstehen soll, es durchdringen soll, es richtig machen soll.”

Klingt absurd, ist aber rechtens

Der Bundestag hat 2013 ein Gesetz verabschiedet um den USA bei der Suche nach Steuersündern zu helfen. Fatca zwingt die Deutschen Banken Amerikanische Doppelstaatler auf zu spüren und deren Kontoständen zu melden und dagegen können die sich nicht einmal wehren.

Catherina Stauch ist kein Einzelfall: in Deutschland dürfte es bis zu einhunderttausend Zufalls-Amerikaner geben, in Europa sind es mehrere hunderttausend.

Der Niederländer Daan Durlacher hat die Selbsthilfegruppe Americans Overseas im Internet gegründet. Er kennt viele Betroffene die jetzt Probleme mit ihren Banken haben.

Durlacher: “ Es gibt viele Fälle schon in Deutschland wo Konten gekündigt werden oder angeschrieben dass gekündigt wird oder blockiert, storniert. Und das Öffnen von einem neuen Bankkonto ist fasst unmöglich, wenn man in Amerika geboren ist.”

Von den Deutschen Politikern fühlt sich Catherina Stauch im Stich gelassen. Viele Briefe hat sie schon geschrieben, nur das Europaparlament interessierte sich bis jetzt für die Situation der Zufalls-Amerikaner. In November hat sie ein hearing in Brüssel besucht die Parlementarier wollen prüfen, ob das Fatca-Gesetz mit dem Datenschutz vereinbar ist. Das hilft Catherina Stauch kurzfristig aber nicht.

Catherina Stauch: “Ich werde alles tun damit ich diese Steuerpflicht erfüllen kann, langfristig gesehen möchte ich gerne meine Staatsbürgerschaft zurück geben. Parallel muss man politisch arbeiten um dieses Gesetz wirklich zu schwächen, bzw. weg zu bekommen.”

Denn es ist ein Gesetz das vielleicht gut gemeint war aber völlig Unbeteiligten das Leben schwer macht.

Americans Overseas hilft Zufalls-Amerikanern

Americans Overseas informiert die lokalen und europäischen Parlamente über die Auswirkungen und Probleme, die die europäischen Bürger mit diesen (kürzlich) eingeführten Gesetzen haben. Indem das Thema ständig auf die Tagesordnung gesetzt und beachtet wird, wurden verschiedene Änderungen erreicht.

Wir haben Americans Overseas gegründet, um Menschen aus der ganzen Welt zu helfen, indem wir gute Informationen zur Verfügung stellen, um unnötige Panik zu vermeiden und kostenlose und unverbindliche Hilfe zu leisten. Bei Bedarf verfügen wir über ein Netzwerk von bezahlbaren Fachleuten (Steuerberatern), die Ihnen bei Ihren steuerlichen Verpflichtungen behilflich sind.

Haben Sie weitere Fragen über US-Steuerbehörde, die Folgen von FATCA und CBT? Wenn das der Fall ist, kontaktieren Sie Americans Overseas.

Nehmen Sie jetzt für weitere Informationen Kontakt auf

 

Quelle: WDR Fernsehen