Residence-Based Taxation steht seit Ende 2024 in den USA auf der politischen Agenda. Dennoch verläuft der Gesetzgebungsprozess langsamer, als viele im Ausland lebende Amerikaner gehofft hatten. Woran liegt das – und was geschieht derzeit hinter den Kulissen? Dieser Artikel gibt einen aktuellen Überblick.
Seit der Einbringung des Gesetzentwurfs Residence-Based Taxation for Americans Abroad Act Ende 2024 erreichen uns viele Fragen zur Residence-Based Taxation in den USA. Die zentrale Frage ist dabei immer dieselbe: Warum gibt es bislang keinen klaren Durchbruch?
Die Antwort ist komplexer, als viele erwarten. Ein Vorhaben wie die Residence-Based Taxation (RBT) muss nicht nur politisch gewollt sein, sondern auch rechtlich tragfähig, fiskalisch verantwortbar und praktisch umsetzbar. Das erfordert umfangreiche Prüfungen und Abstimmungen. In einem Kongress, der sich gleichzeitig mit mehreren großen steuerpolitischen Themen befasst, verlaufen solche Prozesse selten schnell.
Am 18. Dezember 2024 brachte der Kongressabgeordnete Darin LaHood den Gesetzentwurf Residence-Based Taxation for Americans Abroad Act (H.R. 10468) ein. Dieser würde einen grundlegenden Systemwechsel bedeuten: US-Bürgerinnen und -Bürger, die dauerhaft außerhalb der Vereinigten Staaten leben, könnten künftig – über ein Wahl- bzw. Opt-in-System – steuerlich anders behandelt werden als Personen mit Wohnsitz in den USA.
Gerade weil es sich um eine strukturelle Abkehr vom bisherigen Citizenship-Based-Taxation-System handelt, wird jeder Aspekt sorgfältig geprüft. Mitarbeitende des Kongresses sowie externe Fachleute analysieren Definitionen, Ausnahmen, administrative Umsetzbarkeit und Maßnahmen zur Missbrauchsvermeidung. Ziel ist ein Gesetz, das für normale Familien und Erwerbstätige im Ausland funktioniert, ohne unbeabsichtigt neue Möglichkeiten für aggressive Steuerplanung zu eröffnen.
Darüber hinaus wird geprüft, wie sich RBT zu bestehenden Regelwerken verhält, etwa zu FATCA-Vorgaben, FBAR-Meldepflichten und den Anforderungen an Finanzinstitute. Banken und andere Institutionen müssen ein neues System innerhalb bestehender Compliance-Strukturen umsetzen können.
In Washington spielt die sogenannte legislative score eine zentrale Rolle. Dabei handelt es sich um die offizielle Einschätzung der finanziellen Auswirkungen eines Gesetzentwurfs auf den Bundeshaushalt. Für Steuergesetze wird diese Bewertung vom Joint Committee on Taxation (JCT) vorgenommen – in der Regel über einen Zeitraum von zehn Jahren.
Solange keine offizielle Score vorliegt und Bedenken hinsichtlich möglicher Schlupflöcher nicht ausgeräumt sind, ist es schwierig, ausreichende politische Unterstützung zu gewinnen. Ohne diese Kostenabschätzung gibt es faktisch keinen verbindlichen Zeitplan. Das bedeutet jedoch nicht, dass das Vorhaben stillsteht – vielmehr wird im Hintergrund intensiv an technischen Anpassungen gearbeitet.
Die Bedeutung dieser Kostenabschätzung sowie die damit verbundenen Bedenken wurden auch ausführlich von Tax Fairness for Americans Abroad erläutert.
Selbst bei inhaltlichem Fortschritt kann Residence-Based Taxation nicht einfach in größere Gesetzespakete aufgenommen werden. Die parlamentarischen Verfahren im US-Kongress setzen enge Grenzen.
Zusätzlicher Druck entstand in den Jahren 2025 und 2026 durch andere umfangreiche steuerpolitische Vorhaben, darunter große Steuerpakete und auslaufende Regelungen mit festen Fristen. Diese Themen binden dieselben Ausschüsse und Fachleute, die auch für die Bewertung von RBT zuständig sind.
Auch wenn der Prozess von außen langsam wirkt, passiert hinter den Kulissen weiterhin viel. Aktuell lassen sich unter anderem folgende Entwicklungen beobachten:
Vorbereitung für den 119. Kongress
Der ursprüngliche Gesetzentwurf wurde spät im 118. Kongress eingebracht und konnte das Verfahren nicht abschließen. Der Fokus liegt nun auf einer Aktualisierung und erneuten Einbringung im neuen Kongress.
Abstimmung zwischen Repräsentantenhaus und Senat
Das Team um Senator Todd Young arbeitet mit dem Büro von Darin LaHood an einem parallelen Gesetzesweg im Senat, einschließlich inhaltlicher Abstimmung und möglicher Anpassungen. Dies geht auch aus aktuellen Veröffentlichungen externer Organisationen hervor, die den Prozess begleiten.
Arbeit an der Score und an Missbrauchsschutz
Mitarbeitende des Kongresses und Fachleute befassen sich mit den Bedenken des Joint Committee on Taxation, etwa mit dem Risiko, dass sehr vermögende Personen ihren Wohnsitz lediglich „auf dem Papier“ ins Ausland verlagern. Ziel ist eine faire und realistische Score ohne unerwartete Haushaltsfolgen. Die Bedeutung dieser Kostenabschätzung sowie die damit verbundenen Bedenken wurden auch ausführlich von Tax Fairness for Americans Abroad erläutert.
Aufbau von Unterstützung und Koalitionen
Organisationen, die sich für im Ausland lebende US-Amerikaner einsetzen, veröffentlichen Analysen, Hintergrundpapiere und Erläuterungen, um Abgeordnete und deren Mitarbeitende über die praktischen Auswirkungen des bestehenden Systems und mögliche Effekte von RBT zu informieren.
Mehrere Organisationen sind hier aktiv involviert, beobachten den Prozess, liefern fachlichen Input und tragen zur Sensibilisierung der politischen Entscheidungsträger bei.
Die zentrale Erkenntnis ist klar: Die Fortschritte bei der Residence-Based Taxation in den USA sind langsam, weil der Prozess gründlich sein muss. Fehlende Schlagzeilen bedeuten nicht, dass das Thema vernachlässigt wird. Die Gesetzgebungsmaschinerie arbeitet weiter – im Tempo Washingtons.
Gleichzeitig möchten wir unsere Bedenken klar benennen. Wir haben ähnliche Prozesse bereits erlebt. Unter politischem Druck entstehen Gesetze, die zunächst vielversprechend wirken. Im Laufe des Verfahrens werden jedoch oft zahlreiche Ausnahmen ergänzt – aus Sorge vor Einnahmeverlusten, Missbrauch oder Geldwäsche –, sodass am Ende nur eine sehr kleine Gruppe tatsächlich profitiert.
Das ist unsere größte Sorge. Deshalb verfolgt Americans Overseas diese Entwicklungen aufmerksam und bringt sich aktiv in relevante Gespräche ein. Als Organisation mit umfangreicher Praxiserfahrung und zahlreichen konkreten Berichten von US-Amerikanern, die im Ausland leben und arbeiten, bringen wir diese Perspektiven kontinuierlich ein.
Gibt es Grund zur Hoffnung? Ja.
Doch der Weg ist lang, und es bleibt offen, wie das endgültige Gesetz aussehen wird – und wer tatsächlich davon profitieren wird.
Wie immer halten wir Sie über weitere Entwicklungen auf dem Laufenden.
Wir, die Gründer von Americans Overseas, wurden in Europa geboren und erhielten unsere amerikanische Staatsbürgerschaft durch unsere (amerikanische) Mutter.
Als wir dies zum ersten Mal um 2013 hörten, gab es Unglauben (das kann doch nicht wahr sein), Wut (wo man das einfach so machen kann), Angst (bekomme ich jetzt Geldstrafen oder Probleme) und Panik (was soll ich tun?) Es ist (leider) wahr, dass es eine amerikanische Steuerpflicht gibt.
Für uns gab es keine Informationen von der lokalen Regierung, das Konsulat verwies uns an das amerikanische Finanzamt, aber das Finanzamt war undurchdringlich.
Deshalb haben wir diese Initiative ins Leben gerufen, um Menschen aus aller Welt mit guten Informationen zu helfen, unnötige Panik zu vermeiden und unverbindlich und kostenlos Hilfe zu leisten. Wenn gewünscht und notwendig, verfügen wir über ein Netzwerk von bezahlbaren Fachleuten (Buchhaltern und US Steuerberater), die Ihnen bei Ihren Verpflichtungen behilflich sein können und möglicherweise Doppelbesteuerung UA Deutschland vermeiden.
Haben Sie weitere Fragen über Deutsche und amerikanische staatsbürgerschaft oder FATCA ? Wenn das der Fall ist, kontaktieren Sie Americans Overseas.
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