Wenn Sie als US-Bürger in Deutschland leben, gehen Sie möglicherweise davon aus, dass nach Zahlung der deutschen Steuern auf dieselben Einkünfte keine weitere US-Steuer anfällt. In vielen Fällen stimmt das: Der Foreign Tax Credit kann die reguläre US-Einkommensteuer häufig reduzieren oder sogar auf null senken. Es gibt jedoch eine wichtige Ausnahme — und aktuelle US-Rechtsprechung zeigt, warum Amerikaner im Ausland darauf besonders achten sollten.
Diese Ausnahme ist die Net Investment Income Tax, kurz NIIT: eine zusätzliche US-Steuer von 3,8 % auf bestimmte Kapital- und Investmenterträge.
Wenn Sie Investments, Immobilien oder eine Beteiligung an einem Unternehmen halten und einen Verkauf oder einen größeren Veräußerungsgewinn erwarten, sollten Sie prüfen, ob NIIT eine Rolle spielen kann – bevor die Transaktion stattfindet und nicht erst danach.
Die Net Investment Income Tax ist eine zusätzliche US-Steuer von 3,8 %, die neben der regulären US-Einkommensteuer anfallen kann.
Sie kann unter anderem folgende Einkünfte betreffen:
NIIT kann anfallen, wenn Ihr Modified Adjusted Gross Income (MAGI) einen bestimmten Schwellenwert übersteigt.
Die Schwellenwerte betragen:
Die Steuer wird auf den niedrigeren der folgenden beiden Beträge berechnet:
Sie zahlen also nicht automatisch 3,8 % auf Ihre gesamten Kapital- oder Investmenterträge.
Nach US-Steuerrecht können reguläre Foreign Tax Credits grundsätzlich nicht dazu verwendet werden, NIIT auszugleichen.
In früheren Verfahren war jedoch die Frage aufgekommen, ob bestimmte US-Doppelbesteuerungsabkommen dennoch eine eigenständige Möglichkeit bieten könnten, im Ausland gezahlte Steuern auf NIIT anzurechnen.
Am 31. August 2026 entschied der US Court of Appeals for the Federal Circuit in zwei miteinander verbundenen Fällen: Christensen v. United States und Estate of Bruyea v. United States.
Im Fall Christensen lebten US-Steuerpflichtige in Frankreich. Sie hatten Aktien eines französischen Unternehmens verkauft und auf den Gewinn französische Steuer gezahlt.
Sie argumentierten, dass das Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Frankreich und den USA es ihnen erlauben müsse, die bereits gezahlte französische Steuer mit ihrer amerikanischen NIIT zu verrechnen.
Ein erstinstanzliches Gericht hatte dieser Argumentation zunächst zugestimmt.
Im Berufungsverfahren entschied der Federal Circuit jedoch zugunsten der US-Regierung. Das Gericht kam zu dem Ergebnis, dass das französisch-amerikanische Doppelbesteuerungsabkommen keinen eigenständigen Tax Credit schafft, mit dem NIIT über die im US-Steuerrecht vorgesehenen Möglichkeiten hinaus verrechnet werden kann.
Der verbundene Fall Estate of Bruyea betraf einen US-Bürger in Kanada, der kanadische Immobilien verkauft hatte. Auch dort wies das Gericht die Argumentation auf Grundlage des Doppelbesteuerungsabkommens zurück.
Die Verfahren betrafen nicht das Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten.
Die praktische Botschaft ist für Amerikaner in Deutschland dennoch wichtig:
Auch wenn deutsche Steuern über den Foreign Tax Credit Ihre reguläre US-Einkommensteuer auf null reduzieren, bedeutet das nicht automatisch, dass Ihre gesamte US-Steuerschuld ebenfalls null beträgt. NIIT kann separat fällig bleiben.
Das Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Deutschland und den USA hilft in vielen Situationen, eine doppelte Besteuerung zu reduzieren, beseitigt aber nicht automatisch jede einzelne US-Steuer.
Nehmen wir Sarah, eine US-Bürgerin, die in Deutschland lebt.
Sie verdient 150.000 US-Dollar aus ihrer beruflichen Tätigkeit und erzielt zusätzlich einen steuerpflichtigen Veräußerungsgewinn von 100.000 US-Dollar aus dem Verkauf von Investments.
In diesem vereinfachten Beispiel beträgt ihr Einkommen damit ungefähr 250.000 US-Dollar.
Auch wenn Sarah in Euro verdient und ihre Ausgaben in Euro bezahlt, müssen Beträge in einer amerikanischen Steuererklärung grundsätzlich in US-Dollar angegeben werden. Die NIIT-Schwellenwerte sind ebenfalls in US-Dollar festgelegt.
Sarah reicht ihre Steuererklärung als Ledige ein. Ihr NIIT-Schwellenwert beträgt daher 200.000 US-Dollar.
Ihr MAGI liegt in diesem Beispiel 50.000 US-Dollar über diesem Schwellenwert.
Obwohl ihr Investmentgewinn 100.000 US-Dollar beträgt, wird NIIT auf den niedrigeren der folgenden Beträge berechnet:
In diesem vereinfachten Beispiel wird NIIT daher auf 50.000 US-Dollar berechnet.
3,8 % von 50.000 US-Dollar = 1.900 US-Dollar NIIT.
Sarah hat möglicherweise bereits erhebliche Steuern auf diesen Gewinn in Deutschland gezahlt. Durch den Foreign Tax Credit kann ihre reguläre US-Einkommensteuer möglicherweise auf null reduziert werden.
Diese Tax Credits können jedoch grundsätzlich nicht dazu verwendet werden, die 1.900 US-Dollar NIIT ebenfalls zu beseitigen.
Dadurch kann eine zusätzliche US-Steuerschuld entstehen, mit der Sarah nicht gerechnet hatte.
Viele Amerikaner im Ausland nutzen die Foreign Earned Income Exclusion (FEIE) über Form 2555, um einen Teil ihres im Ausland erzielten Arbeitseinkommens von der regulären US-Besteuerung auszuschließen.
Auf den ersten Blick kann es dadurch so aussehen, als läge das Einkommen deutlich unter dem NIIT-Schwellenwert.
Für NIIT gelten jedoch besondere Regeln.
Einkommen, das über die FEIE ausgeschlossen wurde, wird bei der Berechnung des MAGI für NIIT grundsätzlich wieder hinzugerechnet, vorbehaltlich bestimmter Anpassungen.
Eine Person mit einem guten Gehalt in Deutschland kann daher trotz eines relativ niedrigen steuerpflichtigen US-Einkommens einen deutlich höheren MAGI für NIIT-Zwecke haben.
Kommt zusätzlich ein Aktienverkauf, eine hohe Dividende, ein Immobiliengewinn oder anderes Investment Income hinzu, kann der NIIT-Schwellenwert plötzlich überschritten werden.
Kurz gesagt:
Ein niedriges steuerpflichtiges Einkommen in Ihrer US-Steuererklärung bedeutet nicht automatisch, dass Sie unterhalb des NIIT-Schwellenwerts liegen.
Eine mögliche NIIT-Belastung sollte insbesondere geprüft werden, wenn Sie als US-Bürger in Deutschland leben und:
US-Bürger bleiben grundsätzlich auch dann in den USA steuerlich erklärungspflichtig, wenn sie dauerhaft in Deutschland leben und dort bereits Steuern zahlen. Americans Overseas erläutert diese Situation auch speziell für Amerikaner in Deutschland.
Nicht jeder Verkauf und nicht jede Investition führt automatisch zu NIIT.
Unter anderem können Ihr Filing Status, Ihr Gesamteinkommen, die Art der Einkünfte, Abzüge, Ihre Beteiligung an einem Unternehmen und weitere persönliche Umstände die Berechnung beeinflussen.
Die wichtigste Erkenntnis ist nicht nur, dass NIIT existiert.
Auch der Zeitpunkt einer Transaktion kann eine Rolle spielen.
Wenn Sie einen Immobilienverkauf, den Verkauf von Investments oder die Veräußerung einer Unternehmensbeteiligung planen – oder hohe Investmenterträge erwarten – kann es sinnvoll sein, die US-Steuerfolgen vor der Transaktion berechnen zu lassen.
Ein CPA oder Enrolled Agent mit Erfahrung in der internationalen US-Besteuerung kann vorab prüfen, ob NIIT voraussichtlich relevant wird.
Dabei können beispielsweise folgende Aspekte berücksichtigt werden:
Für den regulären Foreign Tax Credit ist häufig Form 1116 relevant. Mit diesem Formular können unter bestimmten Voraussetzungen bereits im Ausland gezahlte Einkommensteuern auf die US-Einkommensteuer angerechnet werden.
Ist eine Transaktion bereits abgeschlossen, können bestimmte Möglichkeiten der steuerlichen Planung nicht mehr zur Verfügung stehen.
Für Amerikaner in Deutschland können gleichzeitig zwei Steuersysteme relevant sein.
Foreign Tax Credits und das Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten können eine Doppelbesteuerung in vielen Fällen reduzieren. Americans Overseas weist jedoch ebenfalls darauf hin, dass ein DBA nicht automatisch bedeutet, dass überhaupt keine US-Steuer oder US-Erklärungspflicht mehr besteht.
NIIT ist ein gutes Beispiel dafür.
Die Entscheidungen in Christensen und Estate of Bruyea betrafen die Abkommen mit Frankreich beziehungsweise Kanada und entscheiden daher nicht unmittelbar, wie einzelne Bestimmungen des deutsch-amerikanischen Doppelbesteuerungsabkommens auf NIIT anzuwenden sind.
Die grundsätzliche Warnung bleibt dennoch relevant:
Gehen Sie nicht automatisch davon aus, dass bereits in Deutschland gezahlte Steuern bedeuten, dass in den USA nichts mehr geschuldet werden kann.
Erwarten Sie einen erheblichen Kapitalgewinn, einen Immobilienverkauf, den Verkauf eines Unternehmens oder ein anderes größeres finanzielles Ereignis?
Americans Overseas kann Sie kostenlos und unverbindlich mit einem US-Steuerexperten in Verbindung bringen, der Erfahrung mit Amerikanern hat, die in Deutschland oder einem anderen Land außerhalb der Vereinigten Staaten leben.
So können Sie die möglichen US-Steuerfolgen im Voraus verstehen, anstatt erst nach der Transaktion mit einer unerwarteten Steuerforderung konfrontiert zu werden.
Nehmen Sie jetzt für weitere Informationen Kontakt auf
Quellen: US Court of Appeals for the Federal Circuit, Christensen v. United States, Case 24-1284 · US Court of Appeals for the Federal Circuit, Estate of Bruyea v. United States, Case 25-1563 · IRS Form 8960 Instructions · Bloomberg Law · KPMG Flash Alert
Dieser Artikel dient ausschließlich allgemeinen Informationszwecken und stellt keine individuelle Steuerberatung dar. Ihre steuerliche Situation hängt von Ihren persönlichen Umständen ab.
Verstehen des US-Steuersystems, der Verpflichtungen und aller zusätzlichen Bedingungen kann schwierig sein. Vor allem, wenn man außerhalb Amerikas lebt. Ist Ihre Frage nicht beantwortet? Kontaktieren Sie uns.
Die Net Investment Income Tax ist eine zusätzliche US-Steuer von 3,8 %, die auf bestimmte Investmenterträge wie Zinsen, Dividenden, Kapitalgewinne, bestimmte Mieteinnahmen und passive Unternehmenseinkünfte anfallen kann.
Reguläre Foreign Tax Credits können grundsätzlich nicht verwendet werden, um NIIT auszugleichen. Sie können jedoch bestimmte reguläre US-Einkommensteuern reduzieren.
NIIT kann anfallen, wenn der MAGI 200.000 US-Dollar bei Ledigen, 250.000 US-Dollar bei gemeinsam veranlagten Ehepaaren oder 125.000 US-Dollar bei getrennt veranlagten Ehepartnern übersteigt.
Nicht unbedingt. Einkommen, das über die Foreign Earned Income Exclusion ausgeschlossen wurde, wird für die MAGI-Berechnung bei NIIT grundsätzlich wieder hinzugerechnet, vorbehaltlich bestimmter Anpassungen
Ja. Ein steuerpflichtiger Gewinn aus dem Verkauf deutscher Immobilien kann potenziell NIIT unterliegen, wenn der Gewinn als Net Investment Income gilt und Ihr MAGI über dem jeweiligen Schwellenwert liegt.
Das kann insbesondere bei einem hohen Kapitalgewinn oder einem ungewöhnlich einkommensstarken Jahr sinnvoll sein. Der Zeitpunkt des Verkaufs sowie andere Einkünfte und Verluste im selben Steuerjahr können Einfluss auf die endgültige Steuerbelastung haben.